Lyrik

Lyrik

Hibiscusblüte




Was ist Lyrik....?

Lyrik

Orchidee




Die Lyrik ist eine der frühen literarischen Formen. Geschriebene Lyrik gab es schon zu den Zeiten der alten Chinesen, Babylonier, Perser oder Juden (z. B. Psalmen, das Hoheslied des Salomo). Mündliche Lyrik dürfte in die frühesten Zeiten der Menschheitsgeschichte zurückgehen. Unser Begriff von Lyrik wurzelt allerdings im antiken griechischen Kulturkreis. Dort war die Lyrik zunächst das zur Lyra gesungene Lied, das in den Chorgesängen der antiken Dramen und im religiösen Kultus seinen „Sitz im Leben“ hatte. Bis heute steht Lyrik in einer gewissen Beziehung zur Musik und zum Lied. Bedeutende Lyriker des Altertums waren z. B. Sappho und der römische Dichter Horaz.



 



Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)


Johann Wolfgang von Goethe
wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Goethe war der berühmteste deutsche Dichter und einer der bekanntesten Dichter der Welt. In Leipzig und Straßburg studierte Goethe auf Wunsch seines Vaters Rechtswissenschaft. Nach Abschluß seines Studiums war Goethe Rechtsanwalt in Frankfurt, aber ohne dass ihm seine Arbeit Spaß gemacht hätte. 1775 berief der junge Herzog Karl-August von Weimar Goethe als Minister an seine Residenz. Mit Goethes Reise nach Italien (1786 - 88) begann seine "klassische" Periode.


Bis ins höchste Alter - er starb 1832 im Alter von fast 83 Jahren - war Goethe von einer erstaunlichen Schaffenskraft. Seine Lebenserinnerungen schrieb er auf in seinem Werk "Dichtung und Wahrheit". Kurz vor seinem Tod vollendete er den 2. Teil des Dramas "Faust", das zur Weltliteratur gehört.



 

AN CHARLOTTE VON STEIN

Lyrik

Mandelbaumblüte


Warum gabst du uns die tiefen Blicke,

unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun,

unsrer Liebe, unserm Erdenglücke

wähnend selig nimmer hinzutraun?



Warum gabst uns, Schicksal, die Gefühle,

uns einander in das Herz zu sehn,

um durch all die seltenen Gewühle

unser wahr Verhältnis auszuspähn?



Ach, so viel tausend Menschen kennen,

dumpf sich treibend, kaum ihr eigen Herz,

schweben zwecklos hin und her und rennen

hoffnungslos in unversehnten Schmerz;



jauchzen wieder, wenn der schnellen Freuden

unerwart'te Morgenröte tagt.

Nur uns armen liebevollen Beiden

ist das wechselseitge Glück versagt,



uns zu lieben, ohn uns zu verstehen,

in dem andern sehn, was er nie war,

immer frisch auf Traumglück auszugehen

und zu schwanken auch in Traumgefahr.



Glücklich, den ein leerer Traum beschäftigt!

glücklich, dem die Ahndung eitel wär!

Jede Gegenwart und jeder Blick bekräftigt

Traum und Ahndung leider uns noch mehr.


 

Lyrik

Kamelie


Sag, was will das Schicksal uns bereiten?

Sag, wie band es uns so rein genau?

Ach, du warst in abgelebten Zeiten

meine Schwester oder meine Frau.



Kanntest jeden Zug in meinem Wesen,

spähtest, wie die reinste Nerve klingt,

konntest mich mit einem Blicke lesen,

den so schwer ein sterblich Aug durchdringt;




tropftest Mäßigung dem heißen Blute,

richtetest den wilden irren Lauf,

und in deinen Engelsarmen ruhte

die zerstörte Brust sich wieder auf;



Hieltest zauberleicht ihn angebunden

und vergaukeltest ihm manchen Tag.

Welche Seligkeit glich jenen Wonnestunden,

da er dankbar dir zu Füßen lag,



fühlt' sein Herz an deinem Herzen schwellen,

fühlte sich in deinem Auge gut,

alle seine Sinne sich erhellen

und beruhigen sein brausend Blut!



Und von allem dem schwebt ein Erinnern

nur noch um das ungewisse Herz,

fühlt die alte Wahrheit ewig gleich im Innern,

und der neue Zustand wird ihm Schmerz.



Und wir scheinen uns nur halb beseelet,

dämmernd ist um uns der hellste Tag.

Glücklich, daß das Schicksal, das uns quälet,

uns doch nicht verändern mag!



Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

 

Charles Baudelaire (1821-1867)

Charles Baudelaire (1821 - 1867)



Der französische Dichter Charles Baudelaire wurde am 9. April 1821 in Paris geboren. Er litt sehr unter der zweiten Heirat seiner Mutter mit seinem Stiefvater General Aupikc. Dieses Leid prägte sein Leben und sein literarisches Schaffen. Für die erste Ausgabe seines bekanntesten Werkes "Die Blumen des Bösen" im Jahre 1857 wurde er verurteilt und die Bücher wurden vernichtet. Bei der zweiten Auflage (1861) wurde er gezwungen, einige Gedichte, die zu stark gegen die gesellschaftliche Moral des Zweiten Kaiserreichs verstießen, herauszunehmen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hob man das Urteil auf. Seine Gedichte zeigen neue ästhetische Züge, da der Autor die Schönheit auch in den unschönen Dingen sieht. Tod, Hass, Trauer, Krankheit und Zerstörung haben ihren ästhetischen Wert in dem Werk von Charles Baudelaire, wie z.B. in dem Gedicht "Correspondances".


Die wichtigsten Werke von Charles Baudelaire sind: Blumen des Bösen - Les Fleurs du Mal 1857; Die künstlichen Paradiese - Les Paradis artificiels 1860; Kleine Prosagedichte - Petits Poèmes en prose 1863; Der Spleen von Paris - Le Spleen de Paris 1862. Charles Baudelaire starb am 31. August 1867 in Paris.

 

DIE EULEN

Lyrik


Geschirmt von schwarzen Eibenbäumen,

sitzt stumm der Eulen Schwarm gereiht,

wie fremde Götzen grauer Zeit.

Ihr rotes Auge glüht. Sie träumen.



So halten sie sich regungslos,

bis zu der Stunde still verbleibend,

da schräger Sonnenstrahl vertreibend

die Nacht sich breitet; schwarz und groß.



Dem Weisen lehrt die Ruhgebärde,

daß er mit Recht auf dieser Erde

Lärm und Bewegung fürchten mag.



Den Menschen, den ein Nichts erregte,

trifft stets der Strafe harter Schlag,

daß er vom Platze sich bewegte.



Charles Baudelaire (1821 - 1867)

 

DER VAMPIR

Lyrik

Wandelröschen (Lantana camara)


Du, die wie ein Messerstoß

in mein stöhnend Herz gedrungen,

die wie wilden Heeres Troß

wüst und prangend mich bezwungen


die erniedrigt meinen Geist

sich zur Wohn- und Lagerstätte;

Scheusal, an das ich geschweißt

wie der Sträfling an der Kette


wie der Spieler an die Sucht,

wie der Trinker an das Glas,

wie an das Gewürm das Aas -

sei verflucht du, sei verflucht!


mir die Freiheit zu erringen,

flehte ich das rasche Schwert,

meine Feigheit zu bezwingen,

hab ich tückisch Gift begehrt.


Gift und Schwert - verächtlich böse

boten sie mir Wort, die zwei:

bist nicht wert, daß man dich löse

aus verworfner Sklaverei


Narr! wenn von der Herrschaft Schrecken

dich befreite unser Mut,

würdest du mit frischer Glut

den Vampir zum Leben wecken.



Charles Baudelaire (1821 - 1867)






 

Fotoimpressionen



Sitemap Deutschland Reisetipps Salzburg Österreich Wien Venedig Marokko Italien Übersicht Tunesien Griechenland - Insel Rhodos Reisetipps Israel Italien Textversion Startseite Samos Griechenland Kroatien








Copyright © 2001 - 2017 by Paul Sippel